Alpendiva auf dem Triglav, 2865 m.

 

Bereits im September 2018 war ich das erste Mal auf Erkundung in Slowenien. Meine Touren führten mich damals auf den Vogel, zur Sieben-Seen-Hütte und zur Vodnik-Hütte. Diese Hütte ist auch die erste Etappe auf dem Anstieg auf den Triglav von Pokljuka.

Im September 2019 wollte ich nun endlich den Triglav besteigen und fuhr für eine Wochenende mit dem Zug von Innsbruck nach Bled.

 

Höchster Berg Sloweniens

Jeder Slowene, jeder Slowene sollte einmal auf dem Triglav gewesen sein. Auch auf meiner Liste stand der höchste Berg Sloweniens schon länger.
>> Lies mehr zu meinem Plan, ausgewählte höchste Berge Europas zu besteigen.

Lange Wege

Auf den Triglav führen viele Wege und es gibt mehrere Hütten, so beispielsweise die Triglav-Hütte auf der Kredarica (zu erreichen über das Vrata-Tal) oder die Planika Hütte. Aber alle Wege sind weit und es empfiehlt sich eine Hütten-Übernachtung.

Ich entschied mich für den Anstieg von Pokljuka (Rudno Polje) über die Vodnik-Hütte und die Planika-Hütte. In Rudno Polje, auf 1345 m liegt ein Biathlon-Trainingszentrum mit einem Hotel. Ich plante, 2 Nächte in diesem Hotel zu bleiben und den Triglav als Tagestour zu machen. Bei angeschriebenen Gehzeiten für den Aufstieg von ca. 6,5 Stunden wäre dies bei zeitigem Aufbruch durchaus machbar.
Rein von den Höhenmetern wäre die Tour gar nicht so schlimm: 1670 hm. Aber es ist zusätzlich auch eine weite Entfernung zurückzulegen.

Steinschlag

Der Anstieg von Rudno Polje führt erst durch den Wald, später durch Latschen in einen Kessel und weiter zum Sattel Studorski Preval auf 1892 m. Von dort geht es auf einem Höhenweg zur ersten Hütte, der Vodnikov Dom, 1817 m. Kurz vor der Hütte, unterhalb des Tosc, gab es 2008 einen größeren Felssturz und der Weg war einige Zeit gesperrt; eine Warntafel macht auf die Gefahr aufmerksam.

Womit ich allerdings nicht gerechnet hätte, ist, dass mich noch im unteren Teil fast ein Steinschlag erwischt hätte. Plötzlich hörte ich lautes Rumpeln, blieb stehen, schaute, doch es war zwischen den Sträuchern, niedrigen Bäumen und Latschen nichts zu erkennen. Sicherheitshalber lief ich ein Stück zurück, traf auf einen Mann, der ebenfalls ziemlich erschrocken stehen geblieben war. Gemeinsam warteten wir ab, und als das Getöse endlich wieder zu Ende war, trauten wir uns weiterzugehen. Für den Gipfelanstieg hatte ich ja meinen Helm dabei, aber an dieser Stelle war der Steinschlag sehr überraschend und ich glaube, der Helm hätte mir auch nicht viel geholfen. 10 Sekunden früher und ich wäre genau dort vorbeigegangen. Zum Glück waren aber keine anderen Wanderer zu diesem Zeitpunkt an dieser Stelle.

Einsamkeit auf den Bergen?

Nach 2:20 Stunden war ich bei der Vodnik-Hütte, ging aber gleich weiter zur Planika-Hütte. Es zogen Nebelschwaden herum und so konnte man die Hütte erst im letzten Moment sehen.
Bei der Planika-Hütte war es Zeit, den Helm aufzusetzen. Als sich die Nebelschwaden lichteten, sah man schon die Kolonne, die über den Klettersteig zum Gipfel stieg bzw. schon wieder herunterstieg. Der Anstieg zum Mali Triglav (= Kleiner Triglav; also der Vorgipfel) ist teilweise versichert, teils sind es einfache Kletterpassagen, teils auch Gehgelände. Am Mali Triglav kommt von rechts noch der Anstieg von der Kredarica dazu und von da an ist es wirklich eine Kolonne. Der Übergang von Mali Triglav zum Hauptgipfel führt über einen luftigen Grat, links und rechts geht es hunderte Meter steil hinunter. Dank der Stahlseile ist es aber kein Problem. An manchen Stellen ist der Fels allerdings richtig abgeschmiert und rutschig, was fast einem der vielen Bergsteiger zum Verhängnis geworden wäre.

Am Gipfelgrat ging fast nichts mehr weiter. Gruppen im Gegenverkehr. Teils mit Klettersteig-Seil, teils ohne. So ergaben sich viele Foto-Pausen. Um 12 Uhr war ich am Gipfel, stieg nach einer kurzen Gipfelrast aber gleich wieder ab. Beim Abstieg stieß ich auf einen Mann, der in einer Felsnische kauerte. Ich fragte ihn, ob er OK sei und ob er Wasser hätte. Er sagte „Kein Wasser“ (soviel Slowenisch konnte ich doch noch) und ich bot ihm meinen Wasserschlauch. Er war wirklich ziemlich fertig, brachte aus meinem Trinksystem keine Wasser heraus. Also bot ich noch meinen Saft an.

Ab der Planika-Hütte war es wieder ruhiger, aber der Wegweiser versprach noch einen weiten Weg bis Rudno Polje: 4 Stunden Abstieg. Nach 9:35 reiner Gehzeit war ich wieder in meinem Hotel und hatte mir die Dusche redlich verdient.

Entspannung in Bled

Vor und nach der Triglav-Tour verbrachte ich jeweils einige Stunden in Bled. Es ist wirklich ein malerischer Ort, mit dem Bleder See, der Burg, der St. Martin-Kirche unterhalb der Burg und natürlich die Kirche auf der Insel. Eine Runde rund um den See lohnt sich auf alle Fälle!

Barbara Haid | alpendiva, 24.09.2019

Impressionen Bled

Fotos: Barbara Haid