Auf den Spuren der Schafe

jahrhundertealte Tradition

 

Schaftrieb (Transhumanz) in den Ötztaler Alpen

Beim Schaftrieb vom Ötztal ins Schnalstal wollte ich schon lange einmal persönlich mitgehen. Im Rahmen einer Tour, die ich für den Alpenverein Edelweiß von 16. bis 19. September 2010 führte, bot sich nun die Gelegenheit dazu.

Jahrhundertealte Tradition

Seit ca. 6000 Jahren werden jedes Jahr Anfang Juni tausende Schafe von Südtirol über die Jöcher auf die Weiden im hinteren Ötztal getrieben. Dort verbringen sie den Sommer, bis sie Mitte September wieder ins Schnalstal, ins Passeiertal und in den Vinschgau zurückkehren. Dieser Schaftrieb ist auch Ausdruck einer uralten engen Verbindung zwischen dem Südtiroler und dem Nordtiroler Teil der Ötztaler Alpen.

Rast vor der Überquerung des Gletschers (Foto: Barbara Haid)

Die Schaftriebe vom Schnalstal, Passeiertal und Vinschgau ins Ötztal verlaufen über drei Jöcher in den Ötztaler Alpen: über das knapp 2.500 m hohe Timmelsjoch, das Hochjoch (2.885 m) und das Niederjoch (3.019 m). Am Hochjoch und am Niederjoch müssen die Schafe und die Treiber teilweise über Gletscher wandern. Über das Niederjoch werden jedes Jahr 2000 Schafe von Vernagt im Schnalstal, vorbei an der Similaunhütte, ins Niedertal getrieben.

Eindrucksvolle Erlebnisse

Nach einer Tour auf die Kreuzspitze (3455 m) am Freitag stand am Samstag ab 7 Uhr das Miterleben des Schaftriebs auf unserem Programm. Wir konnten unmittelbar mit den Schafen und den Treibern von der Martin-Busch-Hütte bis zur Similaunhütte (3.019 m) mitgehen. Während Schafe, Treiber und Hunde gleich wieder den steilen, schmalen Pfad abwärts stiegen, kehrten wir gemütlich in der Hütte ein.
Den Schaftrieb selbst begleiten kaum Touristen, erst das anschließende Fest in Vernagt im Schnalstal lockt auch viele Gäste an. Es ist also keine Inszenierung für Touristen, sondern Ausdruck einer jahrhundertealten Tradition. Gut so. So konnten wir mittendrin im Geschehen sein, durften auch zwischendurch ein kleines schwarzes Lamm tragen, das am zweiten Tag seines Lebens doch noch nicht so weit gehen konnte.
Alle waren so beeindruckt, dass ich spontan beschloss, die Tour im September 2011 wieder für den Alpenverein Edelweiß auszuschreiben. Allerdings möchte ich nächstes Jahr nicht bei der Similaunhütte wieder umdrehen, sondern bis nach Vernagt mitgehen, um dort auch das Schaffest mitzuerleben.

Marsch über den Niederjochferner (Foto: Barbara Haid)

Weitere Informationen

Lesen Sie den gesamten Artikel „Auf den Spuren der Schafe“ von Barbara Haid als pdf-Dokument. Erschienen in: Edelweiß aktuell. Quartalsmagazin für Mitglieder des Alpenvereins Edelweiß. Nr. 3, Sommer 2010, S. 8-9.

Buchtipp

Hans Haid: Wege der SchafeHans Haid: Wege der Schafe. Die jahrtausendealte Hirtenkultur zwischen Südtirol und dem Ötztal
Mit zahlreichen großformatigen Abbildungen u. a. der Fotografen Mauro Gambicorti und Thomas Defner und einer DVD mit authentischen Tonmitschnitte von den Schaftrieben und unverkitschter Volksmusik aus der Region. Tyrolia Innsbruck Bozen 2008 (Das Buch ist leider inzwischen vergriffen)

 

Schafporträts

Fotos: Barbara Haid